Verwaltungsrat
Widerspruch im Verwaltungsrat – was KMU aus dem Fall Lindt lernen können
SwissOwners · 05.11.2026
Bei Lindt & Sprüngli fordern Grossaktionäre einen Umbau des Verwaltungsrats. Die Debatte zeigt, warum ein Gremium ohne Widerspruch auch für KMU ein Risiko ist.
Bei Lindt & Sprüngli wurde Konzernchef Adalbert Lechner überraschend abgesetzt. Nun fordern mehrere Grossaktionäre auch rasche Veränderungen im Verwaltungsrat, wie Moneycab berichtet. Laut Plattform J gerät damit Präsident Tanner unter Druck.
Die Kernfrage: Wer kontrolliert den Chef?
Der Fall hat eine Grundsatzdebatte ausgelöst. Die NZZ fragt, warum Verwaltungsräte oft zu wenig widersprechen. Im Interview mit der NZZ sagt Marc O. Stöckli, der über 200 Verwaltungsratssitzungen erlebt und darüber ein Buch geschrieben hat: Das grösste Problem sei, dass niemand widerspricht. Zudem seien erfolgreiche Chefs nicht automatisch gute Verwaltungsräte.
Warum das KMU besonders betrifft
In vielen KMU ist die Nähe im Gremium noch grösser als in einem Konzern. Oft sitzen der Inhaber, Familienmitglieder, der Treuhänder oder langjährige Bekannte im Verwaltungsrat. Das schafft Vertrauen, aber selten kritische Distanz. Typische Folgen:
- Strategische Entscheide werden abgenickt statt geprüft.
- Risiken wie Abhängigkeit von Grosskunden oder eine ungeklärte Nachfolge bleiben liegen.
- Die Geschäftsführung erhält kaum ein ehrliches Feedback.
Gerade vor einem Firmenverkauf oder dem Einstieg eines Investors wird die Qualität des Verwaltungsrats sichtbar. Käufer und Kapitalgeber achten darauf, ob das Gremium die Geschäftsführung tatsächlich begleitet und kontrolliert.
Was Inhaber konkret tun können
Ein funktionierender Verwaltungsrat braucht nicht viele Mitglieder, aber die richtige Mischung. Bewährt haben sich einige Grundsätze:
- Mindestens eine unabhängige Stimme aufnehmen, die weder finanziell noch familiär vom Inhaber abhängt.
- Kompetenzen gezielt ergänzen, etwa Finanzen, Branche oder Digitalisierung.
- Widerspruch ausdrücklich einfordern, zum Beispiel mit einer festen Traktandenzeit für Gegenargumente.
- Die Arbeit des Gremiums regelmässig selbst beurteilen.
Der Fall Lindt zeigt: Wenn Aktionäre erst nach einem Bruch eingreifen, ist es oft spät. Wer früh auf eine offene Diskussionskultur setzt, verringert dieses Risiko.
Auf SwissOwners finden Unternehmen unabhängige Kandidatinnen und Kandidaten für ihr Gremium, und erfahrene Fachleute können sich für Mandate zur Verfügung stellen. Eine Übersicht bietet die Seite Verwaltungsräte und VR-Mandate.
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und stützt sich auf die verlinkten Meldungen.